Seppuku & Harakiri
Seppuku & Harakiri


 

Harakiri, (Hara =Bauch / Kiri = Schneiden) bezeichnet den rituellen männlichen Selbstmord. Diese Ausdrucksform wurde beim jap. Volk benutzt, wobei Seppuku das gebräuchliche Wort in der Adelsschicht war. Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen.

Beim Seppuku schnitt sich der im Seiza sitzende Mann nach Entblößung des Oberkörpers mit der in Papier gewickelten und zumeist speziell für diesen Anlass aufbewahrten Klinge eines Wakizashi den Bauch ungefähr sechs Zentimeter unterhalb des Bauchnabels in der Regel von links nach rechts auf. Dies mit einer abschließenden Aufwärtsführung der Klinge. Dem Daoismus zufolge liegt hier das sogenannte untere Tanden, einem Bereich im Unterbauch, das in der Traditionellen Chinesischen Medizin als wichtigstes energetisches Zentrum des Menschen angesehen wird.

Wir möchten hier den letzten Fall von Seppuku erläutern der sich am 25. Nov. 1970 in Tokio ereignete.


 

Yukio Mishima galt als bekannter jap. Schriftsteller und politischer Aktivist. Mishima wurde von seinem Vater in militärischer Disziplin gedrillt.
Mit 12 Jahren fing er an zu Dichten und Texte zu schreiben obwohl seine Eltern strikt dagegen waren. In späteren Jahren wurde er durch seine perfekte Rhetorik und seinen großen Wortschatz ein sehr guter Schriftsteller. In seinem wichtigsten Aufsatz “Bunka Bōeiron” (Verteidigung einer Kultur) argumentierte Mishima 1968, dass der Tennō, der Kaiser von Japan, die Quelle der japanischen Kultur sei und die Verteidigung des japanischen Kaisers somit auch eine Verteidigung der japanischen Kultur sei. Er formierte eine Privatarmee, die “Tatenokai” (Schildgesellschaft), um den Kaiser zu beschützen. Er wurde mehrfach als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Mit “Yukoku” drehte er einen Film im No Stil, der auf seinem gleichnamigen Buch basiert und in dem er einen Offizier spielt, der nach einem gescheiterten politischen Plan von seiner Frau Reiko Abschied nimmt und Seppuku begeht.


 

Am 25. Nov. 1970 nahm Mishima mit anderen Mitgliedern der Tatenokai den diensthabenden Kommandanten der jap. Streitkräfte als Geisel, und betrat im Beisein von Reportern den Balkon des Hauptquartiers. Er hielt eine Rede, in der er die Armee zur Besetzung des Parlamentes und zu einer aktiven Verteidigung des Kaisers aufrief. Sein Appell blieb jedoch auf Grund des Desinteresses der Soldaten folgenlos.Unmittelbar danach begingen Mishima und einer seiner Kameraden Seppuku, wobei Mishima sich von seinem engsten Vertrauten als Kaishaku sekundieren ließ. Im Westen wurde seine Aktion in einem sehr romantischen Licht gesehen, der größte Teil der jap. Bevölkerung lehnte die Tat allerdings ab. Seinem “Kaishaku”, einem erfahrenen Kendoka, gelang es übrigens leider auch nach mehreren Versuchen nicht, den erlösenden Schnitt zu führen. Erst ein anderes Mitglied der Gruppe, der zu diesem Zeitpunkt das Schwert übernahm, schaffte es letztlich, den Kopf vom Rumpf zu trennen, die Schmerzen für Mishima müssen die Grenze des Erträglichen weit überschritten haben…